Deiringsen im Spiegel der Geschichte

Unser Dorf liegt ungefähr 4 Kilometer südwestlich der Stadt Soest am Nordhang des Haarstrangs.

Dieser trennt das Sauerland von der fruchtbaren Ebene der Soester-Börde, deren Südgrenze Deiringsen markiert. Die genaue geographische Lage ist  51°32'6.59" nördliche Breite und   8° 4'46.64" östlicher Länge.

Erste urkundliche Erwähnungen des Dorfes stammen aus den Jahren 1293 und 1376. Wie üblich handelt es sich bei diesen Schriftstücken um mittelalterliche Steuerbescheide.

Aus der Frühgeschichte Deiringsens gibt es nur wenige Siedlungsspuren. Die ältesten stammen aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert. Es wurden Fundamentreste von Holzhäusern, Keramikscherben und Feuersteinwerkzeuge gefunden. Die Fundstelle liegt zwischen der Autobahn und Kortmanns Hof. Sie ist heute nicht mehr zugänglich. Funde aus späterer Zeit wurden im Ausgrabungsgebiet nicht gemacht.

Auf eine erneute Besiedelung im 5. nachchristlichen Jahrhundert deutet unser Ortsname mit seiner Endung „-ingsen“ selbst hin. Diese hat sich aus der ursprünglichen Schreibweise Deyerinchusen weiterentwickelt. Aus einer weitern Urkunde aus dem Jahr 1393 geht hervor, dass Deiringsen zur Freigrafschaft Rüdenberg gehört. Später wurde die Freigrafschaft an die Stadt Soest verkauft. Da Deiringsen nur ein kleiner Ort mit wenigen Hofstellen war, bleiben auch spätere urkundliche Erwähnungen die Ausnahme.

Bis zum Jahr 1808 änderte sich im Dorf nur wenig. Der Grundbesitz im Ort gehörte zum Großteil Soester Bürgerfamilien, der Rest der Kirche. Es waren ungefähr 16 Hofstellen und mehrere kleine Kotten die von erblichen Pächtern bewirtschaftet wurden.

Die von Freiherr von Stein eingeleiteten Landreformen gingen die Höfe und Kotten in den folgenden Jahren in den Besitz der Pächter über. In den Katasterkarten der Jahre 1827/28 erscheinen alle ehemaligen Pächter als neue Eigentümer ihrer Hofstellen.

In der Folgezeit begann auf den Höfen und im Ort eine rege Bautätigkeit. Alte Wohn- und Stallgebäude wurden durch Neubauten ersetzt. Das alte Schulgebäude gehörte auch dazu. Im Jahr 1840 erfolgte der Neubau. Die Sraßenverbindungen, welche Jahrhunderte lang aus mehr oder weniger unpassierbaren Hohlwegen bestanden, wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ausgebaut und befestigt. 1880 wurde der dorfeigene Friedhof geweiht.

1910 wurde eine Löschgruppe gegründet, sie unterstand bis zur kommunalen Neuordnung im Jahre 1969 dem Amt Lohne (bei Bad Sassendorf).

Im 1. Weltkrieg hatte die Dorfgemeinschaft 10 Gefallene zu beklagen. Ihnen zum Gedenken wurde 1921 das Kriegerdenkmal errichtet. Die Gefallenen des Krieges 1870/71 erhielten eine eigene Gedenktafel. Die durch den Krieg zerrüttete Wirtschaft erholte sich nur langsam. Im Jahre 1922 erfolgte der Anschluss an das öffentliche Stromnetz.

Die heute noch erfolgreich arbeitende Droschgenossenschaft wurde 1925 gegründet. um die Wirtschaftlichkeit der Höfe zu verbessern, wurde 1929 eine Flurbereinigung durchgeführt. Der bisherige Flickenteppich von Kleinparzellen wurde zu größeren Feldern zusammengefasst.

Die schlechte Qualität des Brunnenwassers im Ort machte den Anschluss an das Rohrnetz des Lörmecke-Wasserwerks im gleichen Zeitraum notwendig.

1932 wurde ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr gebaut, bis zu dieser Zeit war man in einem Gebäude auf dem Hof Dreckhoff untergebracht.

Der 2. Weltkrieg traf unser Dorf viel tiefer als der Vorherige. Es begann mit Einquartierungen von Soldaten 1939/40. Strom- und Wassersperren sowie die Beschlagnahme von Zugtieren durch die Wehrmacht  folgten später. Die Unterbringung von Evakuierten aus den bombardierten Städten des Ruhrgebietes kam noch hinzu.

Im weiteren Verlauf des Krieges wurden immer mehr wehrfähige Männer zur Wehrmacht eingezogen. Sie wurden durch Zwangsarbeiter ersetzt.

Im April 1945 wurde Deiringsen von amerikanischen Verbänden besetzt. Sie gewährten den befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern eine Woche Plünderungsfreiheit. Im Gegensatz zu anderen Ortschaften der Börde wurden aber keine Einwohner getötet oder Gebäude in Brand gesteckt. Gleichwohl war der angerichtete Schaden enorm.

Nach dem Ende der Plünderungen normalisierte sich das Dorfleben nur langsam. Auf den Gedenktafeln des Kriegerdenkmals mussten 16 neue Namen eingetragen werden. Von den überlebenden Soldaten hatten einige noch jahrelange Kriegsgefangenschaft zu ertragen.

Die Unterbringung der vielen Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten stellte eine große Herausforderung dar. Einen Teil von ihnen ist unser Ort zu einem neuen zu Hause geworden.

nach der Währungsreform ging es rasch wieder aufwärts. Der Bau der Wasch- und Gefrieranlage (im Dezember 2007 abgerissen), das Lehrschwimmbecken der Schule (mittlerweile zurückgebaut und zugeschüttet) und nicht zu vergessen, unsere Schützenhalle fallen in diese Zeit.

Die größte Veränderung aber brachte die Erschließung mehrerer Baugebiete im Ort mit sich. Von 331 Einwohnern im Jahre 1954 stieg deren Zahl auf 1493 Einwohner im Jahre 2005 an. Damit sind wir nach Ampen der zweitgrößte Ortsteil der Stadt Soest. Leider sind trotz des ständigen Bevölkerungszuwachses mittlerweile der Dorfladen (jetziger Kreisverkehr) und die Dorfkneipe nicht mehr Teil des Ortsbildes.

Im Dezember 2007 begann man mit dem Abriss der Wasch- und Gefrieranlage, mit dem Bau eines neuen Stützpunktes für den 4. Zug der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Soest. Der Einsatzbereich des 4. Zuges erstreckt sich über die Ortschaften Deiringsen, Meiningsen, Meiningser Bauer und Epsingsen, weitere Gebäude der Feuerwehr wird es nach der Fertigstellung in diesen Ortschaften nicht mehr geben.

 

Quelle: Unter Anderem Jubiläumsfestschrift 150 Jahre Schützenverein Deiringsen e.V.

Joomla templates by a4joomla